Wovon wir wirklich leben
Elemente aus der Konferenz vom 12. Oktober 2005

Was ist Spiritualität des Alltags? Wenn ich in dem was ich lebe, Gott erkennen kann, z.B. wenn ich in den Ereignissen meines Alltags erlebe, dass Menschen etwas tun, das sie im Eigentlichen nicht so tun. Dies als Gottes Gegenwart in meinem Alltag lesen bedeutet Spiritualität leben.
Es ist ein glaubender, hoffender, liebender Umgang mit dem Leben. Es ist ein Leben im Heiligen Geist.

Leben ist oft ambivalent, gespalten. Es birgt die Sehnsucht nach Gesundheit und auch das Tun des Ungesunden.

1. Wir leben von einem JA!

Eine grundlegende Erfahrung für unser Leben ist das Hineingestelltsein ins Leben durch den liebevollen Gedanken unserer Eltern, bevor es uns überhaupt gibt. Nicht jedem ist diese Erfahrung gegönnt.

Jesus ist Zuspruch, ist das Ja zu allen Verheißungen Gottes

Das Nein, das Zögern dem Leben gegenüber ist nicht dessen Todesurteil. Weil es die Liebe gibt, gibt es das Leben, das über diese schwache menschliche Liebe hinaus besteht.

2. Wir leben von der Kultivierung der SEHNSUCHT!

Nelly Sachs: „Alles beginnt mit der Sehnsucht.“

Es ist deshalb wichtig, dass wir Sehnsucht zulassen und pflegen, im Alltag.

Gott hat seiner Sehnsucht nachgegeben!

Heiliger Augustinus: „Die Sehnsucht ist das immerwährende Gebet.“

Es ist grundlegend die Wünsche zu pflegen, darauf aufmerksam zu sein, weil sie Zeugnis von Lebendigkeit sind.

Jemanden um etwas bitten, eine Bitte äußern bedeutet, dass man die Sehnsucht in sich pflegt und dem anderen mitteilt, dass er brauchbar für uns ist.


3. Wir leben von der DANKBARKEIT!

Was ist die Quelle alles Guten, die Quelle alles Bösen?

Der heilige Ignatius sagt, dass die Quelle alles Negativen in der Undankbarkeit zu finden sei!

Dank und Lob sind die Quellen des Guten.

Wir besitzen wirklich nur das, wofür wir dankbar sind.

Es ist wichtig die Dankbarkeit stückweise einzuüben. Ein Schritt dahin ist aufmerksamer zu leben. So kann man sich vornehmen am Abend für 5 Dinge zu danken. Was ist mir an diesem Tag geschenkt worden?


Hierzu ein Gedanke von Frère Roger: „Wer sich entschlossen Christus überlassen, ihm das ganze Leben zu geben, muss eine Entscheidung treffen: sich Gott gegenüber dankbar zu erweisen.“

4. Unser Lebens lebt vom DASEIN FÜR EINANDER.

Die Annahme seiner Selbst, die Ich-Werdung ist ein Akt der Gottesliebe.

Beim Gleichnis vom guten Samariter geht es um die Frage nach der Mitte des Gesetzes: Wovon kommt uns Heil? Das Gesetz besteht in der Gottesliebe, der Nächstenliebe und in der Selbstliebe. Lieben ist da sein für andere und für sich selbst.

Wenn die Last mich erdrückt, wenn ich das Gefühl habe, dass ich zuviel für andere tue, dann muss ich meine Haltung überprüfen. Vielleicht kommt zu wenig aus dem eigenen Herzen.

5. Wir leben von der KULTIVIERUNG DER WANDLUNG.

Wie steht es mit Wandlung, Entwicklung auf den verschiedenen Ebenen?

Stäuben wir uns? Wie geht es uns mit dem Wachsen im Glauben?
Wie geht es mir mit den Worten, die die Wandlung am Schärfsten ausdrücken: mit Tod und Auferstehung?

Der Mensch braucht lange um geboren zu werden! Geburt geschieht unter Schmerzen.


6. WICHTIGE ELEMENTE auf unserem WEG.

Vom INNEHALTEN (Pausen, Stille, Langsamkeit)

Wir sind oft auf der Flucht: gehetzt, schnell, weiter...

Aber irgendwann wird diese Haltung auch kontraproduktiv:

Jes 30: die Rettung kommt in Ruhe und Umkehr, in Stille und Vertrauen.

Man soll lernen die Pausen zu zelebrieren: Wie geht es mir? Bin ich innerlich frei, locker? Habe ich noch Fragen? Gehe ich gelassen auf den anderen zu?.. Loslassen, eine Bitte formulieren, einen Dank aussprechen und weiter.
Uns selbst schenken, dass wir die Pausen auch „nutzen“. Pausen zelebrieren, die Gänge (auf denen ich mich bewege) loben, die Zeiten nutzen.
Uns das Aufatmen schenken.

Spiritualität hat etwas mit „atmend“ leben zu tun. (Spiritus = Atem)

Willi LAMBERT sj
16. Oktober 2005