„Seelen retten – Zeugen sein“
Impulsvortrag beim Diözesantag der GCL Trier, 2. Juni 2007

1. Anfang diesen Jahres habe ich mit Begeisterung einen Krimi gelesen: Glennkill, von Leonie Swann, den die Autorin selbst als „Schafskrimi“ bezeichnet. Sie erzählt auf sehr hintergründige und humorvolle Weise von den Ermittlungen in einem Mordfall an einem Schafshirten- George - und das besondere daran ist, dass diese Ermittlungen von den Schafen aus der Herde des Ermordeten angestellt werden. Das ganze Buch ist aus der Perspektive der Schafe geschrieben und es kommen dort recht amüsante Überlegungen dieser Geschöpfe über die Menschen vor. Z.B. wer wohl dieser „Gott“ ist, von dem die Menschen so oft – und das meist recht beiläufig – reden, vor dem sie aber alle auch irgendwie Respekt haben. Die Schafe verlassen heimlich ihre Weide und gehen in das Dorf, wo sie die Dorfbewohner beobachten. Und aufgrund dieser Beobachtungen kommen sie zu dem Schluss, dass dieser Gott wohl der Mann sein muss, der ab und zu auftaucht und der immer in schwarz gekleidet ist – der Pfarrer, denn der hält sich in dem Haus auf, welches „Haus Gottes“ genannt wird. Und weil der Ermordete auf dem „Acker Gottes“ begraben wird, kombinieren sie, dass „Gott“ – der Pfarrer – wohl der Mörder sein muss. Ob es so ist, möchte ich hier nicht verraten, denn ich kann ihnen dieses Buch wirklich empfehlen, und da verrät man doch die Pointe nicht.

Im Zuge Ihrer Ermittlungen stoßen die Schafe auch auf das etwas merkwürdige Verhalten von Beth. Eine kleine Szene vom Tatort:
“Der Satan war’s“, raunte eine mausgesichtige Frau zwei kleinen blonden Kindern zu.
“Gott sei ihm gnädig!“, sagte eine andere mit zitternder Stimme. Die Schafe kannten sie. George hatte sie „die barmherzige Beth“ genannt. Beth tauchte regelmäßig vor dem Schäferwagen auf, um George zu irgendwelchen „guten Werken“ zu überreden. Die Schafe wussten nicht genau, was gute Werke waren, dachten aber, dass George wohl in irgendeinem Gemüsegarten arbeiten sollte. George hatte aber seinen eigenen Garten. Die Schafe verstanden, dass er sich gegen die Frau wehrte. Die Frau verstand es offenbar nicht. Für jede Absage drückte sie George einen Stapel dünner Heftchen in die Hand, um seine sündige Seele zur Umkehr zu bewegen. Was mit Georges Seele geschah (wenn er überhaupt eine hatte), konnte man nicht erkennen. Aber die Heftchen freuten ihn sehr, obwohl er niemals darin las. Am folgenden Abend gab es dann jedes Mal Kartoffeln, die George über einem kleinen, flackernden Feuer röstete.

Die „barmherzige Beth“ nimmt ihren Auftrag als Christin sehr ernst: sie will Georges Seele retten! Und dazu setzt sie sehr viel ein, nimmt Rückschläge in Kauf, lässt sich nicht beirren. Denn Georges Seele ist ihr wichtig. Georges Seele muss gerettet werden. Wohl so sehr das Ziel dieser Beth, dass die Schafe, nachdem sie Beth länger beobachtet haben sich fragen:
“Ob sie sie bekommen hat?“, fragte Cordelia nach einer Weile. “Was?“, fragte Zora. “Georges Seele“, sagte Cordelia. “Ich frage mich, ob sie Georges Seele bekommen hat.” “Wenn sie sie bekommen hat, muss sie sie wieder hergeben“, sagte Sir Ritchfield streng. Die Seele, die war das Gegenteil eines Dings. Etwas, mit dem man die Welt entdecken konnte. Sie war etwas sehr Wertvolles und Wichtiges, selbst wenn sie, wie bei den Menschen, nur sehr klein war. Miss Maple schüttelte den Kopf. „Sie hat die Seele nicht. Seht sie euch doch an. Sie sieht aus wie jemand, der etwas Wichtiges für immer verloren hat.“ Sie hatte Recht. Die Schafe atmeten auf, weil Georges Seele Beth entschlüpft war.

2. In den Allgemeinen Grundsätzen der GCL heißt es unter der Überschrift „Unser Ziel“ folgendermaßen: „Es ist unser Ziel, engagierte Christen zu werden, die in Kirche und Gesellschaft für das Evangelium Zeugnis geben.“ Und etwas später: „Um unsere Mitglieder wirkungsvoller auf ihr apostolisches Zeugnis und ihren Dienst gerade im alltäglichen Umfeld vorbereiten zu können, führen wir Menschen in Gemeinschaft zusammen, die immer stärker danach verlangen, ihr Leben in all seinen Dimensionen mit der Fülle ihres christlichen Glaubens in Einklang zu bringen, wie es unserem Charisma entspricht.“

Ziel der Gemeinschaft Christlichen Lebens ist es, apostolisch wirksam zu werden und Zeugnis zu geben von der Lebenskraft des Evangeliums! Der Impuls dazu liegt schon im Ursprung der „ignatianischen“ Bewegung. Es war der Impuls, der Ignatius selbst zu einem unermüdlichen Seelsorger machte, und es war dann auch der Anstoß für den Zusammenschluss der ersten Gefährten: es ging ihnen darum, „den Seelen zu helfen“. Und das entscheidende Mittel dafür sind ihnen die Exerzitien. In ihnen helfen diejenigen, die die Übungen geben, denen welche sie empfangen auf dem Weg zur Verwirklichung des eigenen Lebens. Und das ist im Originalton des Exerzitienbuches: „Der Mensch ist geschaffen, um Gott, unseren Herrn, zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen und mittels dessen seine Seele zu retten.“

3. Eine Herausforderung, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts formuliert wurde zu einer Zeit, die geprägt war von vielfältigen Umwälzungen. Das gültige Bild von der Welt war auf den Kopf gestellt worden. Die Entdeckungen und wissenschaftlichen Entwicklungen, die philosophischen und politischen Deutungen der beginnenden Neuzeit warfen vieles über den Haufen, was Jahrhunderte lang gegolten hatte. Der Mensch als Person und Individuum war neu entdeckt worden und beanspruchte seinen Wert. Die theologischen und spirituellen Auseinandersetzungen der Reformation verlangten eine je persönliche Positionierung der Christinnen und Christen.
Ignatius und seine Gefährten erkannten ihren Auftrag, den so geprägten und vielfach verunsicherten Menschen Orientierung und Wegweisung im Glauben zu geben – den Seelen zu helfen. Und sie taten es auf die Weise ihrer Seelsorge: durch Predigt und das Geben von Exerzitien, durch Sorge für Arme und Kranke, durch Bildungsarbeit und nicht zuletzt durch ihr persönliches Zeugnis. Denn ihre Art der Seelsorge erwuchs aus ihrer persönlichen Sehnsucht und Leidenschaft. Jeronimo Nadal, einer aus der ersten Jesuitengeneration, fasst dies so zusammen: „Einmütig beschlossen sie, sich nun voll und ganz dem zu widmen, was sie so sehr ersehnt hatten, und uneingeschränkt alles dafür einzusetzen, mit der Kraft ihres Herzens den Seelen zu helfen.“ (Willi Lambert, Aus Liebe zur Wirklichkeit, S. 114)

Das „apostolische Zeugnis“ ist der ignatianischen Spiritualität von Anfang an eingestiftet und es aktualisiert sich in dem eben zitierten Ziel der GCL, die sich davon ausgehend beim Weltdelegiertentreffen von Nairobi im Jahr 2004 fortan als Sendungsgemeinschaft versteht, als eine Gemeinschaft, in der die Verantwortung der Sendung des Einzelnen und der Gruppen gemeinsam getragen wird. „Den Seelen helfen“, apostolische Sendung leben, Zeugnis geben von der Kraft des Evangeliums ist die gemeinsame Verantwortung aller in der Gemeinschaft Christlichen Lebens.

4. Aber wie kann das gehen – heute? Wie sollen wir das leben und gestalten – in einer Zeit, die nicht weniger von Umwälzungen und Unsicherheiten geprägt ist?
Denn davon gehe ich einmal aus, dass wir alle auf die eine oder andere Weise auf der Suche sind danach, wie wir Zeugnis geben können von unserem Glauben, von der Lebenskraft des Evangeliums?
Und ich glaube, wir sind uns auch einig darin, dass dies nicht so sein kann, wie die „barmherzige Beth“ aus Glennkill es verwirklicht. Die penetrante und platte Aufforderung zur Rettung der eigenen Seele durch gute Werke hat wohl kaum die Strahlkraft eines wahrhaft christlichen Zeugnisses. „Seelen retten“ indem wir auf „Seelenfang“ gehen ist nicht unser Weg. Und auch das Verteilen von „frommen Heftchen“ ist wohl nicht die Art und Weise, wie wir apostolisch wirksam werden können.

5. Einen wichtigen Hinweis dazu, welche Herausforderung heute darin liegt und wie wir heute Zeugnis geben können, gibt uns unserer Trierer Bischof Reinhard Marx in seinem Pastoralschreiben von 2005 „Als Gemeinschaft in Bewegung – nach innen und außen“. Bischof Marx schreibt dort u. a.:
“Wenn wir ehrlich sind, müssen wir bekennen, dass wir oft sprachlos und sehr zurückhaltend sind, wenn es um unseren Glauben geht. Wir ziehen uns schweigend zurück, wo es gut wäre, den Glauben ins Spiel und zur Sprache zu bringen. Wir werden letztlich nur ernst genommen, wenn wir nicht auftrumpfend aber doch klar zu unserem Glauben stehen.
Mit den Worten des Heiligen Petrus sind wir aufgerufen, jedem Rechenschaft von der Hoffnung zu geben, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15b). Eine solche Haltung bereichert die Welt und uns selbst. Christus hat die Frohe Botschaft vom Reich Gottes öffentlich gelebt und verkündet. Den Jüngern hat er seine Botschaft anvertraut; er hat sie ausgesandt, diese in die ganze Welt zu tragen, ja, „allen Geschöpfen“ das Evangelium zu bringen (vgl. Mk 16,15). ... Der Glaube an Christus und die Gemeinschaft mit ihm sind ein Schatz für alle Menschen. Er gehört nicht nur uns. Deshalb nenne ich als abschließende Leitlinie: „Wir bringen unseren Glauben und unsere Hoffnung ins Gespräch und laden zum Mitgehen ein.“

6. Bei unserem Zeugnis für das Evangelium geht es darum, unseren Glauben und unsere Hoffnung ins Gespräch zu bringen.
Es geht also nicht um irgend eine objektive Wahrheit, die wir verkünden, es geht um das Zeugnis von der Hoffnung, die uns erfüllt.
Und damit geht es vor allem und zuerst darum diese Hoffnung, die Lebenskraft des Evangeliums für uns ins Licht zu heben. Um es mit den Worten des Bischofs zu formulieren: zuerst wahr zu nehmen, welch ein Schatz unser Glaube an Christus und unsere Gemeinschaft mit ihm ist. Welch ein Schatz die Art und Weise unseres Zugangs zu Christus ist. Welch ein Schatz die von der GCL und der ignatianischen Spiritualität geprägte Lebensweise des Glaubens an Christus und der Gemeinschaft mit ihm ist.
Und genau dies prägt dann auch unsere Weise des Zeugnisses und der Seelsorge, unsere Weise des Apostolats.

7. Ich möchte in einigen Stichworten etwas von dieser „ignatianisch“ geprägten Weise des Glaubenslebens nennen. Es sind Aspekte, die uns als Leitlinien einer GCL-Lebensweise an die Hand gegeben sind, und die wir beileibe nicht in Perfektion leben. Aber das Grunddokument ignatianischer Spiritualität trägt ja bezeichnender Weise das Wort Vollkommenheit nicht in seinem Titel. Vielmehr geht es um Exerzitien, um Übungen. Ein Grundimpuls von Seiten des Ignatius, der uns übrigens bei aller Dringlichkeit unseres Zeugnisses auch eine gewisse Gelassenheit und Leichtigkeit geben kann. Und davon ausgehend möchten wir Sie dann auch nachher einladen, in einem zweiten Schritt dieses Diözesantages die nun zu nennenden Aspekte in Kleingruppen zu üben.

• Als erstes möchte ich da eine Wirklichkeit nennen, die uns vom Exerzitienbuch her gleichsam als Grundvoraussetzung für das Wahrnehmen Gottes in der Welt und in unserem Leben nahe gebracht wird: es ist die Erlaubnis und die Notwendigkeit, oder sagen wir vielleicht besser „die Einladung“ sich selbst wahr und ernst zu nehmen.
Das ist in der Geschichte der christlichen Spiritualität ganz und gar nicht selbstverständlich. Häufig wird uns ausgehend vom Wort Jesu, dass nur der seiner würdig ist, der sein Leben gering achtet, nahe gelegt, ganz von uns selbst abzusehen, die Wirklichkeit unseres Lebens nicht zu beachten, darüber hinweg zu gehen. Die Spiritualität der Exerzitien aber nimmt das eigne Leben ganz und bewusst in den Blick, in einen liebenden Blick. Der Blick auf unser Leben darf dabei geleitet sein vom Blick Gottes auf unsere Lebenswirklichkeit, vom Blick des Schöpfergottes, der bei der Erschaffung des Menschen wahrnimmt: „es war sehr gut!“. Das eigene Leben, sich selbst wahr und ernst zu nehmen, bedeutet, sich selbst mit einer positiven und liebenden Haltung zu begegnen. Und davon ausgehend auch das nicht zu verschleiern, was schwierig und traurig oder was sündig ist.
Gott offenbart sich in allen Dingen, auch und gerade in den Umständen meines persönlichen Lebens. Deshalb ist es so ein großer Schatz, dass wir immer wieder neu wertschätzend und damit „auswertend“ auf unser Leben schauen: etwa im persönlichen Gebet der liebenden Aufmerksamkeit oder in der „revision de vie“ in der Gruppe. Sich selbst wahr und ernst zu nehmen ist Zeugnis für den Gott, der uns als Einzelne wahr und ernst nimmt.

• Und damit bin ich bei einem weiteren Kennzeichen unserer GCL-Lebensweise: dem Austausch.
Es ist Zeugnis und Rechenschaft geben von der Hoffnung die uns erfüllt, wenn wir uns gegenseitig austauschen über das, was uns bewegt und beschäftigt in unserem Leben. Und es ist Einüben in eine Grundhaltung des Zeugnisgebens anderen gegenüber. Dabei scheint mir sehr wichtig zu sein, dass immer wieder zu Beginn von Austauschrunden die Aufforderung steht, zu erspüren, was ich jetzt von dem, was mich bewegt, mitteilen will. Und dieses Nachspüren hat zwei Richtungen: „was möchte ich erzählen?“ und“ „was können die anderen auch hören?“. Denn in dem Maße, wie ich mich selbst wahr und ernst nehme, in dem Maß werde ich auch sensibel dafür, den anderen wahr und ernst zu nehmen. Vielleicht war das ja der entscheidende Fehler der „barmherzigen Beth“ aus dem Schafskrimi, dass sie überhaupt nicht wahrgenommen hat, was diesen George, dessen Seele sie retten wollte, eigentlich wirklich bewegt.

• Und so möchte ich als weiteren Aspekt unseres Weges die Aufmerksamkeit für den anderen hervorheben. Eine Aufmerksamkeit, die sich im Interesse am Leben des anderen und an dessen Umständen äußert. Eine Aufmerksamkeit, die geprägt ist vom Hören aufeinander. Immer wieder machen wir in unseren Gruppen sogenannte „Anhörkreise“. Denn Glaube kommt vom Hören, heißt es in der Schrift. Die Bereitschaft zu hören ist eine hervorragende Form der Wertschätzung dem Gesprächspartner, der Gesprächspartnerin gegenüber. Wenn ich bereit bin zu hören und nicht gleich selbst zu antworten oder gar zu kommentieren, dann zeige ich damit, wie wichtig das ist, was die andere mir mitteilt. Und vielleicht helfe ich damit „der Seele“ des anderen, sich selbst ernst zu nehmen und sich selbst wert zu schätzen.

• Freilich bedeutet dies nicht, dass dieses Hören in einer Haltung verharrt, die zu allem Ja und Amen sagt. Wir üben in unseren Gruppen auch, auf die Situationen, wie sie uns begegnen, zu antworten. Das ist eine Form sich nicht raus zu halten, sondern sich einzumischen und Partei zu ergreifen. Allerdings Partei zu ergreifen mit einer bestimmten Zielrichtung: es geht immer darum mehr Leben zu ermöglichen und zu fördern. Dieses Ziel verlangt hier und da auch Widerspruch. Und das hat die persönliche Seite des Gesprächs, das hat aber auch die Seite des Politischen. Sich einmischen für mehr Leben!

• Gerade an dieser Stelle möchte ich herausheben, was uns unter dem Stichwort Unterscheidung mitgegeben und ins Stammbuch geschrieben ist. Denn das scheint mir von großer Bedeutung innerhalb unserer Gemeinschaft, aber auch im Gespräch mit „den anderen“ zu sein: dass wir unterscheiden, wann wir reden sollen und wann es besser ist zu schweigen. In der liebenden Unterscheidung zwischen Reden und Schweigen – mit Ignatius könnte ich auch von der Diskretion sprechen – zeigt sich die Ernsthaftigkeit meiner Aufmerksamkeit und meines Hörens auf den anderen. Manchmal ist es das größere Zeugnis von meiner Hoffnung, wenn ich lerne zu schweigen!

• Das lenkt meine Aufmerksamkeit auf eine weitere wichtige Dimension bei dem, wie wir Zeugnis geben können. Denn häufig gibt es überhaupt keine Möglichkeit oder keinen Zugang zu einem wirklichen Gespräch, oft sind wir „zum Schweigen verurteilt“. Dann bleibt uns allerdings immer noch die Möglichkeit, den anderen und sein Leben „ins Gebet zu nehmen“. Das fürbittende und manchmal auch das stellvertretende Gebet für die Menschen, denen wir begegnen und deren Situation wir aufmerksam wahrnehmen, ist nicht bloß eine Notlösung, wenn wir selbst nicht mehr weiter können. Das Gebet für andere ist ein stilles Zeugnis für unseren Glauben an die größeren Möglichkeiten unseres Gottes. Es ist das Wahrmachen damit, dass er in allem gegenwärtig und wirksam ist.

• So möchte ich zum Schluss einen Aspekt unserer Spiritualität hervorheben, der gleichsam die Basis all unseres Zeugnisses für den Glauben an Christus und für unsere Gemeinschaft mit ihm ist. Es ist das bewusste und selbstverständliche Gestalten dieser Gemeinschaft unsererseits. Das wesentliche Mittel der Exerzitien des Ignatius ist neben dem Gespräch mit dem Begleiter das persönliche Gebet, das Gespräch mit Jesus Christus wie mit einem Freund. Hier hat all das eben Gesagte seine Grundlage, hier aktualisiert sich immer wieder neu die Ernstnahme des eigenen Lebens, hier wird immer wieder neu die hörende Aufmerksamkeit geübt, hier stelle ich mich immer wieder neu hinein in der größeren Zusammenhang der Liebe Gottes zu seiner Welt und zu den Menschen. In der Übung des persönlichen Gebetes lerne ich zu unterscheiden, wie mein Zeugnis für Christus aussehen kann. Und hier darf ich meine Möglichkeiten und Begrenzungen mehr und mehr annehmen. Im Gespräch mit Christus darf auch ich im Blick auf mein Zeugnis bitten: „Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

8. „Seelen retten – Zeugen sein“
Wir sind eingeladen als Gemeinschaft und als Einzelne die Herausforderungen dieses ignatianischen Grund-Impulses aufzunehmen.
Mein Vortrag wollte den Horizont öffnen für das, was nun in weiteren Schritten des Diözesantages 2007 folgen soll.

Ralf BRAUN -

Kirchlicher Assistent der GCL-Diözesangemeinschaft Trier

29. Juli 2007
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