„Wieviele Brote habt ihr ? … Geht und seht nach !“ (Mk 6, 30-44)
Impulsreferat am GCL Diözesantag in Trier - in Zusammenhang mit dem Weltdelegiertentreffen 2018

GCL-Diözesantag in Trier
7 Mitglieder der CVX Luxemburg beteiligten sich am 26. Mai 2018 an dieser Begegnung mit den Mitgliedern der GCL Trier. Der kirchliche Assistent der GCL Deutschland Pater Thomas Gertler sj aus Augsburg referierte mit 3 Impulsen über die Textstelle aus dem Markusevangelium (Mk 6, 30-44), die zum Weltdelegiertentreffen 2018 vorgeschlagen wurde.

1. Impuls

1. Die Schriftstelle : Mk 6, 30-44 Die Speisung der Fünftausend (Einheitsübersetzung 2016)

Mk 6,30 Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. 31 Da sagte er zu ihnen : Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus ! Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. 32 Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein.
33 Aber man sah sie abfahren und viele erfuhren davon ; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an.

34 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen ; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.

35 Gegen Abend kamen seine Jünger zu ihm und sagten : Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät.
36 Schick sie weg, damit sie in die umliegenden Gehöfte und Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können !

37 Er erwiderte : Gebt ihr ihnen zu essen ! Sie sagten zu ihm : Sollen wir weggehen, für zweihundert Denare Brot kaufen und es ihnen zu essen geben ? 38 Er sagte zu ihnen : Wie viele Brote habt ihr ? Geht und seht nach ! Sie sahen nach und berichteten : Fünf Brote und außerdem zwei Fische.

39 Dann befahl er ihnen, sie sollten sich in Mahlgemeinschaften im grünen Gras lagern. 40 Und sie ließen sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig nieder. 41 Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen. 42 Und alle aßen und wurden satt. 43 Und sie hoben Brocken auf, zwölf Körbe voll, und Reste von den Fischen.
44 Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten.

2. Auslegung :

a) Ruht ein wenig aus – auch wir heute.

b) Da wird nichts draus – Jesu Mitleid : Schafe ohne Hirten. Darum lehrt er sie als guter Hirt. Das ist das Erste.

 Welche Lehre sind wir heute schuldig ?
 Wozu sollen wir uns auch öffentlich bekennen ?
 Wie sind die Menschen ohne Hirten ? Orientierungslos. Aber die Verkündigung gilt weiterhin : Das Reich Gottes ist nahe. Es ist erreichbar ! Ihr könnt eintreten. Auch wir Jünger hören die Predigt, die lange Predigt Jesu.

c) Aber nun auch Schafe ohne Nahrung, nicht nur ohne Orientierung. Da sollen die Jünger helfen. Nicht beim Lehren – oder ? Gebt ihr ihnen zu essen !

 Was ist der Hunger, was ist die Not ?

  • Die Nöte oder die gesellschaftliche Realität entsprechend der Diözesan-Synode : Individualisierung, Pluralisierung, Geschlechterrollen, Religion, Flexibilisierung, demografischer Wandel, Kommunikationsgesellschaft, Soziale Medien, Digitalisierung, Ökonomisierung, bedrohtes Leben : Ökologie, Frieden.
  • Diese Realität ist auch unsere Realität. Diese Nöte sind auch unsere Nöte. Wir sind alle selbst davon betroffen ! Wir stehen nicht außen. Wir sind mitten drin. Und gibt es spezielle Nöte der GCL in Trier ? Demografischer Wandel in der GCL, Leitungsämter – Schwer zu finden, Belastungsfähigkeit geringer, Gemeinschaftsfähigkeit mehr Probleme.
  • Wir sollen diese Realität(en) im Glauben anschauen, also mit Glaube, Liebe, Hoffnung. Freilich haben wir auch heftige Gefühle – auch sie dürfen sein und sollen ebenfalls im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe angeschaut und angenommen werden. Denn sie sind die ersten und unwillkürlichen Reaktionen auf die Wirklichkeit(en). In all dem sind auch Chancen. Auf alles gibt Gott Antwort. In allem ist er schon mit seiner Hilfe unterwegs. Darauf sollen wir lauschen. Das sollen wir einander erzählen.

2. Impuls

1. Schrifttext : Mk 6,38 Er sagte zu ihnen : Wie viele Brote habt ihr ? Geht und seht nach ! Sie sahen nach und berichteten : Fünf Brote und außerdem zwei Fische.
41 Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf und sprach den Lobpreis.

2. Impuls

a) Das Zuwenig als Zustand der Jünger und der Kirche : „Was ist das für so viele ?“ (Joh 6).

  • Es genügt nicht. Das wird immer mehr sichtbar bei der Kirche in Deutschland. XXL-Pfarreien zB Saarbrücken. Es genügt nicht. Die fünf Brotfladen und die beiden Fische reichen nicht einmal für die 12 Apostel !
    Die Überforderung. Die völlige Überforderung.
    Andererseits : Unsere Lebensmittel in der GCL sind das Überzeugendste, was wir haben. Sie machen wirklich satt :
    Exerzitien : Mein Leben vor Gott bringen und durchbeten. Den Willen Gottes für mein Leben erkennen.
    Tagesrückblick : in meinem Tag Gott entdecken und Seine Führung
    Gruppe : Einander den Glauben bezeugen und darin bestärken !
  • Wir genügen nicht. Wir auch als Jünger und als Menschen genügen nicht. Damals die Zwölf. Ganz normale und sündige, erlösungsbedürftige Menschen. Versager und Feiglinge. Ehrgeizlinge und karrieregeil. Streithammel und Diebe. Das sind die Jünger Jesu. Das sind die, die er aber auch beruft in seine Nachfolge. Sie werden andere – aber erst nach Ostern und nach der Geistsendung. So auch wir. Wir sind genauso erlösungsbedürftig. Wir brauchen immer neu den heiligen Geist.
  • Überforderung kann zum Zusammenbruch führen und führt auch oft zum Zusammenbruch. Sie kann dann aber auch nach dem Zerbrechen der bisherigen Muster auch noch zu ganz neuen Lösungen führen. Bei den Jüngern war es der Karfreitag. Dieses Zerbrechen hat sie erst fähig gemacht für die neue Begegnung mit Christus im Heiligen Geist.
    Dieses Zerbrechen und Neuwerden zeichnet sich manchmal schon ab.

b) die Jünger müssen nun abgeben und segnen lassen.

  • Jetzt müssen die Jünger das Wenige, das sie haben und das für sie selbst kaum reicht, auch noch abgeben. Sie müssen es Christus geben. Das ist für uns heute als Kirche oft besonders schwer. Ich habe den Eindruck, dass eben viel einfach gemacht wird. Und gemacht wird es dann allein nach menschlichem und vernünftigem Kalkül. Oder ?
  • Wie soll das an Christus Abgeben heute gehen ? Schritte gehen entsprechend „Salz in der Gruppe“ oder „deliberatio primorum patrum“. Oder dem französischen Modell… Also wirklich nach einem geistlichen Prozess : „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen“ (Apg 15,28).

3. Impuls (bei der Messe).

a) Ein Gedicht von Eugen Roth :

Beim Einschlafen

Ein Mensch möcht´ sich im Bette strecken,
doch hindern die zu kurzen Decken.
Es friert zuerst ihn an den Füßen,
Abhilfe muss die Schulter büßen.

Er rollt nach rechts und denkt nun ging´s,
doch kommt die Kälte prompt von links.
Er rollt nach links herum, jedoch
Entsteht dadurch von rechts ein Loch.

Indem der Mensch nun dies bedenkt,
hat Schlaf sich mild auf ihn gesenkt,
und schlummernd ist es ihm geglückt :
er hat sich warm zurecht gerückt.

Natur vollbringt oft wunderbar,
was eigentlich nicht möglich war.

aus : Eugen Roth, Ein Mensch

(Für theologisch Interessierte : Seit der Aufklärungszeit wird das Wirken Gottes oft einfach mit dem Wirken der Natur in eins gesetzt. Natur kann nichts vollbringen, was „eigentlich unmöglich“ ist. Eugen Roth - ein frommer Mann - verbirgt seine Frömmigkeit in der Sprache der Aufklärung.)

In Jes 28,20 ist vom gleichen Thema die Rede : „Das Bett ist zu kurz, man kann sich nicht ausstrecken, die Decke ist zu schmal, man kann sich nicht einhüllen.“

Es ist die Erfahrung, es reicht nicht, die Decke ist zu kurz, die kleinen Brötchen und die kleinen Fische, die wir haben, genügen nicht. Aber das Gedicht sagt uns, es genügt dann eben doch.

 Wir erinnern uns an alle diese Erfahrungen in unserem Leben, wo es wunderbarerweise doch gereicht hat und sogar übrig blieb.

b) Damit schauen wir auf unsere Situation heute, auf unsere Not heute.

Wir vertrauen : Jesus lädt uns auch jetzt ein, heute ein, alles das Wenige ihm zu geben, von ihm segnen zu lassen und dann auszuteilen. Und siehe : es genügt doch und bleibt noch übrig, auch in der heutigen Situation.

Das bedeutet nicht, dass das ein Automatismus ist. Es kann auch ein Scheitern geben. Es kann passieren, dass es zur Katastrophe kommt, wie ja im Johannes-Evangelium die Brotvermehrung eher nicht gut ausgeht und zur Scheidung führt und dazu, dass am Ende viele weggehen.

Aber wir dürfen Hoffnung und Vertrauen haben. Wie Petrus sagt : Wohin sollen wir gehen ? Du hast Worte des ewigen Lebens (Joh 6).

Thomas Gertler sj -

Kirchlicher Assistent der GCL in Deutschland

15 juillet 2018