Von einer christlichen Gruppe zu einer apostolischen Gemeinschaft

Die folgenden Überlegung wurden an einem Begegnungstag der Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) in Trier vorgestellt (29. Mai 2010) und haben den sprachlichen Stil eines Vortrags beibehalten.

Zuerst werden kurz die typischen Phasen des Weges einer Gruppe dargestellt (1); dann soll dazu eine Parallele angedeutet werden:

  • zum Weg der Jünger- und Apostelgruppe um Jesus (2)
  • zum Weg der ersten Gefährten des Ignatius (3)
  • zum Weg einer GCL- Gruppe hin zu einer apostolischen Gemeinschaft (4).

1. Die typischen Phasen in der Entwicklung einer Gruppe [1]

Jede Gruppe, die sich auf den Weg macht und sich regelmäßig trifft, durchlebt eine Entwicklung mit verschiedenen Phasen. Je nach Gruppe und ihrer Zusammensetzung gibt es individuelle Entwicklungen, jedoch zeigt sich die Gruppendynamik mit ihren fünf Phasen bei allen Gruppen in einer gewissen inneren Gesetzmäßigkeit.

a) Vertrauensvorschuss- oder Orientierungsphase.

Menschen, die etwas anlockt, die etwas suchen, denen es an etwas mangelt oder die eine gute Erfahrung gemacht haben, die sie vertiefen möchten, z.B. bei Exerzitien im Alltag, machen sich miteinander auf den Weg in einer Gruppe. Die Gruppe hat von Anfang an zwei Ziele: zum einen das sog. Sachziel (z.B. den Glauben vertiefen) und das sog. Beziehungsziel (Gruppe werden).

Unterschiedliche Menschen kommen also zusammen mit vielen Erwartungen und einer großen Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Neben diesem Vertrauensvorschuss gibt es aber auch Ängste und Unsicherheiten: Werde ich akzeptiert und verstanden? Was muss ich leisten? Weil eine Gruppe ohne Leitung nicht ins Laufen kommt, übernimmt ein Starthelfer/eine Starthelferin diese Aufgabe…. Der Starthelfer/die Starthelferin repräsentiert das Gruppenziel und setzt die Normen. Er/Sie ist die Identifikationsfigur der Gruppe, ohne die Gruppe derzeit noch schnell durcheinander geraten würde. In der Gruppe selbst herrscht ein großes Harmoniebedürfnis. Man ist nett und freundlich zueinander …d.h. man zeigt meistens keine Schwächen und betont die Gemeinsamkeiten. Die eigenen Bedürfnisse und Erwartungen werden zurückgestellt und man scheut noch den Konflikt. Hinter all dem steht Unsicherheit. Trifft sich die Gruppe in regelmäßigen Abständen, wird sich nach einer gewissen Zeit einiges verändern. Die Einzelnen riskieren sich immer mehr, zurückgestellte Bedürfnisse treten allmählich in den Vordergrund und man zeigt zunehmend Gefühle. So ist jemand z.B. frustriert oder verärgert über das, was läuft oder eben auch nicht, oder man ist traurig oder verletzt über das, was in den Beziehungen geschieht. Einzelne trauen sich immer mehr, eigene Vorlieben und Bedürfnisse zu artikulieren. Oder es gibt andere Anzeichen von Schwierigkeiten: Das Gruppentreffen beginnt oft schleppend, man findet nur schwer Termine für die Treffen, es wird fast nur geblödelt oder Einzelne bleiben unentschuldigt weg. Nach und nach kommt es zum offenen Konflikt und die Gruppe befindet sich in der:

b) Krisen- oder Machtkampfphase.

Die Harmonie klappt nicht mehr, einzelne Gruppenmitglieder dominieren, was anderen nicht gefällt, einige fühlen sich nicht mehr verstanden und signalisieren vielleicht auch, die Gruppe verlassen zu wollen. Positionen geraten ins Wanken. Im Zuge der Veränderungen
und des Machtkampfes geschehen Verletzungen. In dieser Phase treten die Lebensgeschichten, die alle mitbringen, auf den Plan, und alte Verhaltensmuster und Verletzungen zeigen sich immer deutlicher. Die Menschen reagieren aus ihrer je eigenen Geschichte heraus und übertragen die vor einiger Zeit gemachten Erfahrungen auf jetzt völlig Unbeteiligte, die daher oft nicht verstehen können, was gerade vor sich geht. Gewünschte Verhaltensweisen werden in dieser Phase gerne anderen Gruppenmitgliedern zugeschoben, um bei sich selbst nichts verändern zu müssen. Das führt öfter zum Ende einer Gruppe, denn: „Wir verstehen uns halt nicht mehr.“

Krisen beinhalten aber auch Chancen, denn in ihnen stecken die notwendigen Energien, die man für Veränderungen braucht. In dieser Situation ist eine kompeten Gruppenbegleitung besonders wichtig. Sie hilft, Verwicklungen aufzudecken und die Einzelnen zu sich selbst zu führen, um eigene Wünsche und eigene Verletzungen wahrzunehmen. In der Stunde der Wahrheit liegt auch die Chance zum Wachstum – für sich selbst und für die gesamte Gruppe. In der Regel kommt es zu Veränderungen. Krisenbewältigung braucht Zeit – mit einem Treffen ist sie meistens noch nicht zu Ende.

Ist eine Krise durchgestanden, wächst eine neue Verbundenheit. Die Gruppe beginnt die

c) Intimitäts- oder Vertrauensphase.

Es stellt sich für die Gruppe neu die Frage nach ihrem Gruppenziel. Die Gruppe identifiziert sich nicht mehr über eine Bezugsperson, sondern entwickelt ein Wir-Gefühl und empfindet sich noch stärker als Gemeinschaft. Die Beziehungen verändern sich. Der Einzelne wird auch mit seinen schwierigen Seiten angenommen. Niemand muss
vollkommen sein. Man versteht einander, vertraut und traut sich, denn alle haben miteinander eine schwere und wichtige Zeit durchlebt. Jedes Gruppenmitglied hat den eigenen Platz gefunden, es geht allen gut miteinander und die Treffen sind meist sehr dicht und intensiv. Mehr und mehr können die verschiedenen Gaben und Talente ohne
Ängste eingebracht und gelebt werden....

Wenn das Ziel der Gruppe wieder klar und bewusst ist, werden sich Auswirkungen nach außen zeigen. Die Gruppe kommt in die

d) Differenzierungsphase.

Diese Phase ist eine fruchtbare Zeit. Es ist möglich und leicht, gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Jedes Gruppenmitglied kann seine Eigenarten leben und entfalten. Die Angst, Schwächen zu zeigen, ist gering. Auch die Stärken werden freier eingebracht und machen den Anderen keine Angst mehr. Die Gruppe wirkt nach außen und übernimmt Verantwortung für Projekte, die außerhalb der Gruppe liegen: „Wir sind nicht nur für uns da.“

Ist das Projekt der ganzen Gruppe oder eines einzelnen Gruppenmitglieds, das alle unterstützt haben, abgeschlossen, gibt es häufig ein weiteres Projekt, um das sich alle kümmern. Nach einem meist längeren Zeitraum stellt sich dann die Frage: „Wie geht es
weiter?“
Mithilfe der Gruppenbegleitung ist zu klären, welchen Stellenwert die Gruppe jetzt für ihre Mitglieder hat: Ist sie eine Weggemeinschaft, deren Ende sich ankündigt, weil das Ziel erreicht wurde oder weil die Beziehungen für den eigenen Prozess nicht
weiterhelfen, da sich jeder/jede in der gemeinsamen Zeit natürlich auch persönlich verändert hat? Oder formuliert die Gruppe für sich ein neues Ziel? Es steht in jedem Fall eine Entscheidung an.

Hinweise für einen persönlichen Rückblick:

  • welche Erfahrungen aus meiner Gruppe haben mich am meisten geprägt?
  • Weshalb? Was habe ich dabei erlebt oder gelernt?
  • Was hat mir/uns geholfen zu wachsen oder weiter zu kommen?
  • Falls die Gruppe eine Krise erlebt hat, wie habe ich sie durchgestanden? Was hat mir geholfen?

2. Die Jünger- und Apostelgruppe um Jesus

scheint (in großen Zügen), wenn auch aus bestimmen Voraussetzungen heraus (ihr Vertrauen auf Gott), ähnliche Etappen erlebt zu haben [2]

a) Der Orientierungsphase...

  • entspricht etwa die große Erwartung vieler Juden, nachdem sie die Predigt des Johannes des Täufers am Jordan angehört und die Taufe erlebt haben: sie suchen nach Zeichen des sich nahenden Reiches Gottes. Ob nicht Jesus von Nazareth, auf den der Täufer selber hingewiesen hat (Joh 1,36 sq), „der Prophet“ ist, auf den alle Juden warten?
  • „Meister, wo wohnst Du (Joh 1,38)“? Sie wollten einfach „mit ihm sein“, ihn „kennen lernen“-
  • Andere wurden ganz einfach aus ihrer Arbeit heraus „in die Nachfolge eingeladen“: „Kommt mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen“ (Lk 5,1-11)-
  • Eine Gruppe von Jüngern trifft sich regelmäßig um Jesus, erlebt Zeichen und Worte, die vom Reich Gottes zeugen -

b) Eine Krisen- oder Machtkampfphase...

  • lässt sich spüren, wo die Leute aus Nazareth an Jesus Anstoß nehmen (Mk 3,21; 6,4)-
  • das Volk ist begeistert von seiner mit Macht beflügelten Lehre (Mk 1,27) und seinen Wundertaten (Mk 2,12), während die jüdischen Autoritäten ihn zum Widerspruch herausfordern (Joh 6, 42 sq), ihm „Gotteslästerung“ unterstellen (Mk 2,7)-
  • nach einer gewissen Zeit können viele „Jünger“ seine Reden nicht mehr anhören (Joh 6, 60) und geben es auf, mit ihm zu gehen – eine Versuchung, der Petrus (und viele andere) für einige Zeit widerstehen (Joh 6, 68)-
  • manche Jünger können ihre ehrgeizigen messianischen Träume nicht bei sich behalten und möchten an Jesu Macht teilhaben (die Zebedäus-Söhne), zum großen Ärger der andern Mk 10,37.41). Jesus verweist auf den Weg des Dienens (Lk 22, 27), den er einschlagen will ( siehe Joh 13,1-17)-
  • vor seinem Sterben macht Jesus die Jünger auf eine unumgängliche Krise aufmerksam, ermutigt sie aber gleichzeitig, auf seine Liebe und sein Gebet zu vertrauen (Lk 22,31-32)-
  • die Jünger verlassen alle Jesus auf seinem Sterbensweg (Mk15,50; Lk 2,54-52), außer Johannes, der mit Jesu Mutter und einigen Frauen bis zum Kreuz mitgeht (Joh 19,25-27)-

c) Eine Vertrauensphase...

  • entsteht wieder, wo der Auferstandene Jesus sich zu den aus Angst versammelten (Joh 20, 19-23) oder total enttäuschten Jüngern (Lk 24, 13-33) begibt. Sie erkennen ihn am vertrauten „Friedensgruß“ (Joh 20, 19.26) oder ( wie in Emmaus) in der bekannten Geste des „Brotbrechen“ (Lk 24, 31.35). Voll Staunen müssen sie bekennen: „Er ist wirklich auferstanden“!
  • Sie kommen, von Freude überwältigt, wieder zusammen, erzählen von Begegnungen des Auferstandenen mit den Frauen, mit Petrus und vielen andern Jüngern-
  • Eine neue Gemeinschaft entsteht, deren Fundament auf Jesus von Nazareth und die Begegnung mit dem Auferstandenen zurückgeht, und die sich als solche identifizieren kann: „Wir haben den Herrn gesehen“ (Joh 20, 25)!

d) Differenzierungsphase einer apostolischen Gemeinschaft

  • Die Jüngergruppe kann sich als Gruppe des Jesus von Nazareth (dem Gekreuzigten und vom Tod Auferweckten) identifizieren -
  • Schwächen und Versagen der Einzelnen spüren sie in den Wundmahlen des verherrlichten Jesus-Christus aufgehoben -
  • „Eine Kraft von oben“ (des Heiligen Geistes, vgl. Apg 1,8) befähigt sie:
    • ohne Angst vor der jüdischen Öffentlichkeit (während des Pfingstfestes) über Jesus, den von Gott verherrlichten Christus (=Messias) zu reden (Apg 2,36): „Gott hat Jesus auferweckt, wir sind seine Zeugen“ (Apg 2,32) -
    • „Mit allem Freimut“ (Apg 4,13; 28,31) „Worte des Lebens“ zu verkünden (Apg 5,20), „Zeichen und Wunder“ im Namen des verherrlichten Jesus zu vollbringen -
    • Entscheidungen im Sinne der Freiheit Gottes zu nehmen: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen“ (Apg 15,28) -
  • die Jüngergruppe übernimmt Verantwortung, die Sendung Jesu, in der so genannten „Apostelgeschichte“, weiter zu gestalten

3. Die Gefährten des Ignatius von Loyola

a) Gemäß dem Bericht des Pilgers (PB, 77) hatte Ignatius des öfteren in Paris versucht, die geistlichen Erfahrungen, die er selber im Gebet gemacht hatte, anderen Menschen zugänglich zu machen und mit ihnen freundschaftlich verbunden zu bleiben. Dabei wurde er nicht selten von der Inquisition zur Rede gestellt, da letztere bei ihm „zweifelhafte“ (von Erasmus inspirierte!) Gedanken witterte. („Orientierungsphase“)

b) Im Kolleg Sainte Barbe „hatte Ignatius Umgang mit Magister Peter Faber und Magister Francisco Javier, die er danach mittels der Übungen für den Dienst Gottes gewann“ (PB 82).

Tatsache ist, dass Ignatius mit Peter Faber und Franziskus (von 1525) dasselbe Zimmer teilte (wie es damals in Studentenheimen üblich war); durch Gespräche, gegenseitige Hilfestellung, gemeinsame Geldtasche, gemeinsame Spaziergängen, Erholungsmomente…entstanden nach und nach menschliche Beziehungen, die sich mit der Zeit wertvoll erwiesen.

Ignatius schätzte die Hilfe des Peter Faber im Studium, während letzterer die fromme Lebensart des 15 Jahre älteren Zimmergefährten hochschätzte.

Aber fast alles trennte Ignatius von Franz Xaver: hatten nicht ihre respektiven Familien in kriegerischen Szenarien (in Spanien) sich feindselig gegenüber gestanden? Franz Xaver hatte als Kind erlebt, wie sein Heimatschloss vom Herrn von Kastilien (in dessen Dienst Ignatius als Knappe einmal stand) geschleift wurde, wie seine ganze Familie entehrt wurde…Daher sein tiefster Wunsch nach erfolgreichen Studien, eine möglichst glorreiche Karriere zu machen. Er gab sich als ein sportlicher, ehrgeiziger, lebensfreudiger, manchmal übelnehmerischer aber auch charmanter junger Mann aus Navarra! Sehr wenig zog ihn anfangs hin zum baskischen Mann aus Loyola!

Ignatius hingegen war 15 Jahre älter als Franz Xaver, humpelte (infolge einer Beinverletzung die er sich in Pamplona zugezogen hatte), war dürftig und arm gekleidet , legte wenig Wert auf sein Äußeres, betete täglich, machte Besuche bei Kranken und Bettlern…kurzum: Ignatius lebte nach einer Art, über die Franz Xaver viele Jahre hindurch nur lachen und höhnen konnte! Was Ignatius nicht daran hinderte, Franz Xaver zu beglückwünschen für seine hervorragenden studentischen und sportlichen Leistungen…! Nach Jahren wurden aus den drei Zimmergefährten „Freunde im Herrn“, denen sich andere Studenten aus Frankreich, Portugal und Spanien anschlossen. („Krisen-/ Machtkampfphase“)

c) „Die Freunde im Herrn“

Montmartre: 15 August 1534

Die „Freunde im Herrn“ legen ein Gelübde ab in dem sie sich verpflichten, in Armut und im Zölibat zu leben sowie gemeinsam ins Heilige Land zu pilgern. Sollte dies jedoch innerhalb einer bestimmten Frist nicht möglich sein, so wollten sie nach Rom ziehen und sich dort dem Papst zur Verfügung stellen.

Beratung in Venedig: 1539

Zur Frage steht ob die Gruppe sich damit abfinden kann, durch Aufträge in verschiedene Städte Italiens und durch Entsendungen in die Missionsländer zerrissen zu werden. Sie entscheiden, sich durch Gebet und gemeinsames Teilen auf einen Unterscheidungsprozess ein zu lassen, um das zu entscheiden, was in ihren Augen zur größeren Ehre Gottes führt. Daran teilgenommen haben: Ignatius, Peter Faber, Fran Xaver, Diego Lainez, Alonso Salmeron, Simon Rodriguez, Nicolas Bobadilla, Claude Jay, Paschase Broët und Jean Cordure.

Nach 3 Monaten ist die Entscheidung reif: für sie ist es Gottes Wille, dass sie als Gemeinschaft zusammen bleiben, dass sie einem aus ihren Reihen Erwählten Gehorsam geloben, und dem Papst den Wunsch unterbreiten, als Ordensgemeinschaft in der Kirche bestätigt zu werden. („Intimität- Vertrauen“) .

d) Ignatius wird als erster Oberer gewählt. 1540 veröffentlicht der Papst die Bulle „Regimini militantis“, die den Orden der „Gesellschaft Jesu“ bestätigt .

Der neue Orden stellt sich dem Papst (als Verantwortlichen der universellen Sendung der Kirche) zur Verfügung, um so mehr der größeren Ehre Gottes zu dienen.

Franz Xaver wird nach Indien geschickt. Peter Faber wird in die von Krieg und Reformationswirren geprüften Länder Europas geschickt. Ignatius bleibt in Rom und ist beauftrag den neuen Orden zu strukturieren und zu festigen. (Differenzierung)

4. Auf dem Weg zu einer apostolischen Gemeinschaft

Auch eine GCL-Gruppe wird, je nach der Lebensgeschichte des Einzelnen, verschiedene Lebens- und Wachstumsphasen durchgehen müssen bis sie als apostolische Gemeinschaft gelebt wird (ohne dass man die verschiedenen Phasen wie an einer Etiquette erkennen oder als notwendige Entwicklung herauslesen kann).

a) Die Gruppe nimmt ihren Anfang in der Entschlossenheit von einem oder mehreren Menschen, die wünschen, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, wie ungefiltert auch immer die Erwartungen anfangs sein können. Verschiedene geistliche gute Wünsche und Erfahrungen sind oft der Auslöser von Zusammenkünften...die der Starthelfer mit der Zielsetzung und den Mitteln der GCL in Verbindung bringen kann!
(„Orientierungsphase“)

b) Einzelne scheuen sich nicht, ihre wahren Wünsche laut einzubringen, tendieren zu dominieren, was andere zurückschreckt...Manche fühlen sich nicht verstanden...andere übergangen. Konflikte können eine Chance zu tieferem Kennen lernen und miteinander Wachsen sein...Exerzitien, Geistliche Begleitung oder möglicher Weise eine Therapie für Einzelne können zusätzlich Hilfestellungen geben. („Krisen- / Machtkampfphase“)

c) Wenn nicht mehr eine Bezugspersonen die Identifizierung der Gruppe ausmacht, sondern die persönliche tief gelebte Begegnung des Herrn, der uns auf einem gemeinsamen Lebensweg gehen lässt, dann ist die Möglichkeit eines „Wir-Gefühl“ gegeben. Niemand muss vollkommen sein; jeder darf sich mit seinen Fehlern und Schwächen geben, jedes Mitglied hat seinen Platz, die verschieden Gaben und Talente werden ohne Ängste eingebracht.
(„Intimität- oder Vertrauensphase“)

d) Die Gruppe kann sich immer mehr von den Allgemeinen Grundsätzen (AG) der Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) ansprechen lassen, lebt, wenigstens ansatzweise je nachdem, in die Ausrichtung des GCL-Charismas (AG 4), macht von den Quellen Gebrauch, die in diese Richtung weiterhelfen (AG 5), um „sich das zu eigen zu machen, was Jesus Christus am Herzen liegt, und so durch Ihn und mit Ihm und in Ihm an seiner Initiative der Lieben teilzunehmen, in der sich Gottes Zusage immerwährender Treue ausdrückt“ (AG 1). ( „Differenzierungsphase“)

Falls die Gruppe bewusst als apostolische Gemeinschaft (nach den AG der GCL-Weltgemeinschaft) zusammen bleiben und wachsen will, kann sie selber die Mittel wählen, die in ihren Augen geeignet scheinen, Gottes Willen im Alltag zu wählen (als einzelnes Gruppenmitglied oder als ganze Gruppe).

Hierzu einige Grundhaltungen, die jeder/jede in der Gruppe haben sollte [3]:

  • vertrauen, dass Gott die Gruppe führen will und ihr auch den Weg bzw. das Ziel zeigt
  • hoffen, dass der Heilige Geist in der Gruppe wirkt und durch die anderen Gruppenmitglieder, durch die äußeren Gegebenheiten und durch die inneren Regungen spricht
  • sich um innere Freiheit bemühen (Indifferenz) bemühen und darum bitten, das zu erkennen, was noch hindert, in den Anderen die Stimme Gottes zu hören
  • langen Atem haben, bis eine Entscheidung reif ist
  • die Bereitschaft, auch tatsächlich Seinen Willen zu tun...

Für bedeutsame Entscheidungen werden in der GCL die 5 Schritte „Hören- Unterscheiden- Senden- Unterstützen- Auswerten“ angewandt. Vor allem die Schritte „Unterstützen und“Auswerten" tragen wesentlich zur fruchtbaren Umsetzung von Entscheidungen bei. In den Weltdelegiertentreffen Nairobi (2003) und Fatima (2008) wurden die 5 Schritte als die für die GCL gemäße Vorgehensweise sehr empfohlen...

Pierre Meyers sj

4 Juni 2010

[1Das Konzept der Gruppenphasen entnehme ich frei (ohne Anspruch auf Ausführlichkeit) aus der GCL-Werkmappe- Kapitel II: Das kleine ABC einer Gruppe: 5.2. Gruppenphasen)

[2die Phasen werden hier nur stichwortartig angedeutet, sie sollten mit Behutsamkeit auf die Jünger-Erfahrung angewandt werden

[3aus der Werkmappe (Kapitel II: Das kleine ABC einer Gruppe, 4) übernommen

Pierre MEYERS sj
10. Dezember 2010
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