Arbeitsblatt : für einen Gruppenaustausch über den Brief des Papstes vom 20.08.2018: „Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit“

Material : Brief des Papstes vom 20.08.2018: »Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit« (1 Kor 12,26) https://www.cathol.lu/article7476.

Einführung in das Verständnis des Vorgehens des Papstes

In diesem Brief spricht der Papst von den Missbrauchsskandalen in der Kirche und prangert sie als „spirituelle Korruption“ und als Konsequenz des „Klerikalismus“ an.
Sein Aufruf ist klar und richtet sich an uns alle.

„Es ist nötig, dass jeder Getaufte sich einbezogen weiß in diese kirchliche und soziale Umgestaltung, die wir so sehr nötig haben. Eine solche Umgestaltung verlangt die persönliche und gemeinschaftliche Umkehr. (…)
Lernen zu schauen, wohin der Herr geschaut hat. Lernen dort zu stehen, wo der Herr uns haben will, um das Herz, das in seiner Gegenwart steht, zu bekehren. (…)
Es ist unmöglich, sich eine Umkehr des kirchlichen Handelns vorzustellen ohne die aktive Teilnahme aller Glieder des Volks Gottes.“

Es geht hier um eine Grundhaltung, zu der wir als Christen, im Kontext der Missbrauchsskandale, und darüber hinaus allen leidenden Menschen gegenüber, herausgefordert sind, in der Nachfolge Christi, der uns klargemacht hat, auf welche Seite er sich stellt.
„Der Umfang und das Ausmaß der Ereignisse verlangt, sich dieser Sache in umfassender Weise mit vereinten Kräften anzunehmen.“
„Der Lobgesang der Maria geht nicht fehl und durchläuft die Geschichte wie eine Hintergrundmusik weiter; denn der Herr denkt an seine Verheißung, die er unseren Vätern gegeben hat: »Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen« (Lk 1,51-53). Und wir schämen uns, wenn wir uns bewusst werden, dass unser Lebensstil das verleugnet hat und verleugnet, was wir mit unserer Stimme aufsagen.“

Es geht des Weiteren darum zu verstehen, was der Klerikalismus ist und was dessen Konsequenzen für die Kirche und in der Kirch sind. Und es geht darum, dass wir Stellung nehmen.
„Das zeigt sich deutlich in einer anomalen Verständnisweise von Autorität in der Kirche – sehr verbreitet in zahlreichen Gemeinschaften, in denen sich Verhaltensweisen des sexuellen wie des Macht- und Gewissensmissbrauchs ereignet haben –, nämlich als Klerikalismus, jene Haltung, die »nicht nur die Persönlichkeit der Christen zunichte [macht], sondern dazu [neigt], die Taufgnade zu mindern und unterzubewerten, die der Heilige Geist in das Herz unseres Volkes eingegossen hat« . Der Klerikalismus, sei er nun von den Priestern selbst oder von den Laien gefördert, erzeugt eine Spaltung im Leib der Kirche, die dazu anstiftet und beiträgt, viele der Übel, die wir heute beklagen, weiterlaufen zu lassen. Zum Missbrauch Nein zu sagen, heißt zu jeder Form von Klerikalismus mit Nachdruck Nein zu sagen.

Welche Wege skizziert der Papst, um aus dieser Lage herauszukommen?
In der „Heilsgeschichte“ geht es immer um das Heil eines Volkes. Kein Mensch erlebt Heil alleine, als isoliertes Individuum, es geht immer um die Dynamik eines Volkes, des Gottesvolkes.
„Deshalb ist die einzige Möglichkeit, die wir haben, um auf dieses Übel, das so viele Leben geraubt hat, zu antworten, es als Aufgabe zu leben, die uns alle als Volk Gottes einbezieht und betrifft. Dieses Bewusstsein, dass wir uns als Teil eines Volkes und einer gemeinsamen Geschichte fühlen, gestattet uns, unsere Sünden und die Fehler der Vergangenheit in einer bußfertigen Offenheit zu erkennen, die fähig ist, sich von innen her erneuern zu lassen.“

Und dann wiederholt der Papst eine Aussage aus seinem Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, N°11, aus dem Jahr 2013, welche eine Zukunfstperspektive beinhaltet: „Jedes Mal, wenn wir versuchen, zur Quelle zurückzukehren und die ursprüngliche Frische des Evangeliums wiederzugewinnen, tauchen neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftigere Zeichen und Worte reich an neuer Bedeutung für die Welt von heute auf“.

Und weiter: „So werden uns die Buße und das Gebet helfen, unsere Augen und unser Herz für das Leiden der anderen zu schärfen und die Begierde des Herrschens und des Besitzens zu besiegen, die so oft die Wurzel dieser Übel sind.(…) Fasten, das uns Hunger und Durst nach Gerechtigkeit schaffen und uns antreiben möge, in der Wahrheit zu wandeln.“

Und zum Schluss noch diese Aussage: „Maria hat es vermocht, am Fuß des Kreuzes ihres Sohnes zu stehen. Sie hat es nicht in irgendeiner Weise getan, sondern sie stand aufrecht und direkt daneben. Mit dieser Haltung bekundet sie ihre Weise, im Leben zu stehen. Wenn wir die Trostlosigkeit erfahren, die uns diese kirchlichen Wunden verursacht, wird es uns mit Maria guttun, „mit Maria mehr im Gebet zu verharren“ (Ignatius von Loyola, Geistliche Exerzitien, 319), indem wir versuchen, in der Liebe und der Treue zur Kirche zu wachsen. Sie, die erste Jüngerin, lehrt uns Jünger alle, wie wir uns angesichts des Leidens des Unschuldigen zu verhalten haben, ohne Ausflüchte und Verzagtheit. Auf Maria zu schauen heißt entdecken lernen, wo und wie wir als Jünger Christi zu stehen haben.

Persönliche Vorbereitung des Gruppentreffens

Es lohnt sich, sich Zeit zu nehmen, den Austausch in der Gruppe vorzubereiten, und, wenn möglich, den ganzen Brief des Papstes zu lesen.
Hier einige möglichen Fragen, welche eine Hilfe zur Vorbereitung geben können.

1. Wie fühle ich mich persönlich angesprochen vom Brief des Papstes? Mit welchen persönlichen Erfahrungen kann ich ihn in Verbindung bringen?
2. Kann ich verstehen, was der Papst zum Klerikalismus schreibt und zu welcher Grundhaltung er uns auffordert?
3. Wie sind wir eingeladen, persönlich und als Gemeinschaft, Stellung zu nehmen (auf Maria zu schauen heißt entdecken lernen, wo und wie wir als Jünger Christi zu stehen haben)?

Das Gruppentreffen
Gebetszeit : z.B. 1 Kor 12, 12-31
Drei Schritte des Austausches , wie gewohnt

Oktober 2018

30. November 2018
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