« Voir Dieu en toutes choses » . "Gott in allen Dingen erleben"
 
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Grundmerkmale eines geistlichen Weges in der ignatianischen Spiritualität

Ursprung der ignatianischen Spiritualität sind die geistlichen Übungen, die Ignatius von Loyola zunächst als Laie selbst erfährt und dann anderen Menschen vermittelt. Daraus erwuchs als erstes der Jesuitenorden und dann entstanden mehr und mehr andere Gemeinschaften, die ihr Leben aus der gleichen Quelle gestalteten. Schon bald nach der Gründung der Gesellschaft Jesu (1540) entstanden Laiengruppen, von denen eine die Marianische Congregation (MC) wurde. Aus der MC ging 1967 die GCL hervor. Das Ziel dieser Spiritualität wird am besten ausgedrückt mit: „Gott suchen und finden in allem“.

Zu den Grundmerkmalen der ignatianischen Spiritualität gehören:

  • In unserem Leben und Glauben gehen wir einen Weg, der von/in Gott seinen Ausgang genommen hat und dessen Ziel ein „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) ist. Im Gehen dieses Weges kann erfahren werden, dass wir immer wieder aufbrechen dürfen und müssen, die Chance haben, jeden Tag neu anzufangen, und dass es nie zu spät ist, zu beginnen. So wird Leben lebendig und wir ahnen oder erfahren auch, dass Fülle nicht erst am Ende unseres irdischen Lebens auf uns wartet, sondern bereits hier und heute beginnt.
  • Ignatius von Loyola hat kein Buch geschrieben, sondern eigene Erfahrungen gemacht, reflektiert und aufgezeichnet. Mit diesen „Geistlichen Übungen“ oder „Exerzitien“ leitet er Menschen an, nicht nur oder vor allem in Studium und Wissenschaft Gott zu finden, sondern auch in einer personalen Beziehung. In der Übung des Betens mit dem Evangelium und dem eigenen Leben erfahren wir die Zuwendung Gottes und entdecken mehr und mehr, wie wir von Jesus Christus geprägt werden und Ihm nachfolgen können. „Üben ist ein Akt der Hoffnung“ (A. Lefrank SJ). Ebenso suchen wir in jedem Menschen und in der Mitwelt Gott und Sein Wirken zu entdecken.
  • Unsere Aufmerksamkeit gilt einerseits den Erfahrungen, da sie unserem Leben Tiefe und Reichtum vermitteln können. Andererseits bedarf es der Reflexion dessen, was wir erleben, damit aus Erlebnissen Erfahrungen werden können. Der Blick auf das Erlebte mit den Kräften des Verstandes und des Erkennens vermittelt uns größere Zusammenhänge.
  • Der Weg der Nachfolge Jesu Christi geschieht nicht irgendwie und von selbst. Es geht immer wieder um Entscheidungen und Entschiedenheit. In der Vorgehensweise von „Hören – Unterscheiden – Antworten“ suchen wir in den Ereignissen des täglichen Lebens den Willen Gottes zu finden. Auf diesem Weg kann eine innere Freiheit erfahren werden, die mehr zum Du und zum Wir führt. Der Unterscheidung und Entschiedenheit dienen ebenso der Blick auf die Realität des eigenen Alltags mithilfe des „Gebets der liebenden Aufmerksamkeit“ (geistlicher Tagesrückblick) und das Gespräch mit dem Geistlichen Begleiter/der Geistlichen Begleitung.
  • Für den Menschen sind Glaube und Nachfolge Jesu alleine nicht lebbar. Deshalb hat Jesus Christus uns Menschen in eine Gemeinschaft berufen – in die Kirche. In dieser Kirche bilden sich kleinere Gemeinschaften, die mehr miteinander verbindet und die das zum Ausdruck bringen wollen. So konkretisiert sich auch unsere Nachfolge allgemein in der Gemeinschaft der Kirche und spezifisch in der Gemeinschaft derer, die ihre Berufung auf ignatianische Weise leben wollen.
  • Begleiterin und Vorbild auf diesem Weg ist Maria , die sich mit ihrem ganzen Leben zur Verfügung gestellt hat, damit die Erlösung durch Jesus Christus möglich wurde. Mit ihrem Ja (Fiat) zur Verwirklichung von Gottes Verheißung ist sie Urbild der Mitarbeit an der Sendung Jesu Christi.
  • In unserem Einsatz , unserem Dienst und unserer Sendung möchten wir mitwirken an der Weitergabe und Verwirklichung des Evangeliums. Diese Mitarbeit geschieht vorrangig in den alltäglichen Lebens- und Berufsbereichen und kann dennoch manchmal außerordentliche Entscheidungen erfordern. Die konkrete Sendung suchen wir mithilfe der Gemeinschaft, vor allem in der Gruppe vor Ort, die uns dann in der Durchführung unterstützt und mit uns die Auswertung in den Blick nimmt.

Die Weltgemeinschaft Christlichen Lebens hat dieses Selbstverständnis erstmals 1967 und ergänzend 1990 in den „Allgemeinen Grundsätzen“ (AG) und „Allgemeinen Normen“ (AN) beschrieben und sie als ihre Grundlage festgelegt.

Aus der neuen GCL-Werkmappe Seite 18 - 20 Gemeinschaft Christlichen Lebens . sekretariat chez gcl point de . www.gcl.de